"Arbeiten, wo andere Urlaub machen", das klingt attraktiv. Aber arbeiten während des Urlaubs, und das auch noch freiwillig? Markus Bretschneider aus Bonn hat sich damit einen Traum erfüllt. Drei Wochen seines Jahresurlaubs hat er der Nationalparkverwaltung "Niedersächsisches Wattenmeer" in Wilhelmshaven "gespendet", um das Schutzgebiet intensiv kennenzulernen und aktiv zu unterstützen. Sein Fazit: "Das war die perfekte Erholung!"
Die Idee, eine Naturlandschaft unter Schutz zu stellen und zu beobachten, wie sie sich ohne direkten menschlichen Einfluss entwickelt, fasziniert den gelernten Forst-Ingenieur und Diplompädagogen. Besonders beeindruckt ist er von der Dynamik des Wattenmeeres, den gewaltigen Kräften von Wasser und Wind. "Im Laufe eines Menschenlebens wird Natur häufig als etwas Unveränderliches wahrgenommen. Dass sie sich ständig verändert und weiter entwickelt, lässt sich durch Ebbe und Flut besonders gut erkennen. Alles fließt, und das sogar jeden Tag." Als ein Ort der Begegnung mit der Welt ist das Weltnaturerbe nach seiner Einschätzung eine ausgezeichnete Bildungsstätte, um Menschen für einen nachhaltigen Umgang mit Natur zu sensibilisieren.
Sein Einsatzschwerpunkt war deshalb die Öffentlichkeitsarbeit für das erst vor kurzem von der UNESCO anerkannte Weltnaturerbe "Wattenmeer", von der Textbearbeitung über die Erstellung eines Vortrages bis hin zur Betreuung von Informationsständen. Darüber hinaus begleitete er seine "Urlaubs-Kollegen" nach Norderney und Wangerooge und konnte beeindruckt zahllose Lachmöwen, Silbermöwen und Austernfischer, jagende Sumpfohreulen, Brachvögel und sogar einen Löffler beobachten. Ebenso sind ihm die violett gefärbten Teppiche aus Strandflieder und die zahlreichen Grünschattierungen der Salzwiesen im Wechsel von Licht und Schatten bei Sonne, Wolken und Regen in Erinnerung geblieben.
Er durfte sogar die Vogelinsel Mellum kennenlernen: "Eine große Überraschung war die Schnelligkeit, mit der sich die vier Wochen zuvor abgebrannten Flächen bereits wieder begrünt hatten."
Neben der Urwüchsigkeit des Wattenmeeres sind ihm auch die Gefährdungen eines Nationalparks und Weltnaturerbes deutlich geworden. "Naturlandschaft und Kulturlandschaft sind hier sehr eng miteinander verknüpft", so Markus Bretschneider. Im Einklang mit dem Schutz dieses Lebensraums sind Tourismus und Wirtschaft daher bei vielen Aufgaben der Nationalparkverwaltung mit zu berücksichtigen, so etwa beim Umgang mit dem Kite-Surfen auf den Ostfriesischen Inseln oder bei der Verlegung eines Stromkabels für eine Offshore-Windpark durch den Nationalpark. "Von außen wird Naturschutz dabei mitunter als störend angesehen, die vielfältigen Begehrlichkeiten, mit denen eine Nationalparkverwaltung zu tun hat, sind Außenstehenden jedoch kaum bewusst", so sein Eindruck.
Auf die Idee gekommen, in einem Nationalpark ehrenamtlich aktiv zu werden, ist er durch das Projekt "Freiwillige in Parks" der Nationalen Naturlandschaften. Für den Nationalpark ist Markus Bretschneider ein Glückstreffer. Durch die frühzeitige Bewerbung schon zu Jahresanfang war sein Einsatz inhaltlich und organisatorisch bestens vorbereitet und er hatte sich gut eingelesen und brachte auch eigene Ideen mit, als er Anfang Juli seine Arbeit aufnahm: "Er kam, sah – und legte los", freut sich Imke Zwoch, die die Freiwilligenarbeit im Nationalpark koordiniert.
Nun kehrt Bretschneider erst einmal zurück nach Bonn, wo sein "normaler" Berufsalltag beim Bundesinstitut für Berufsbildung auf ihn wartet. Für beide Seiten ist es nach drei fachlich wie menschlich bereichernden Wochen kein leichter Abschied – aber zum Glück nicht für lange: Die Arbeit in der Nationalparkverwaltung und auch Wilhelmshaven haben Markus Bretschneider so gut gefallen, dass er seine Arbeitskraft für die "1. Zugvogeltage im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer" vom 10. bis 18. Oktober 2009 wieder zur Verfügung stellt.