Über 50 niederländische, dänische, deutsche und englische Fachleute aus Wissenschaft, Naturschutz und Küstenschutz tagten am 28.08.2008 auf einer Dünen-Konferenz im Wattenmeerhaus. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Nationalparkverwaltung Niedersächsisches Wattenmeer und dem Gemeinsamen Wattenmeersekretariat.
Einst in Zentraleuropa weit verbreitet, zählen die Dünen heute nur noch an den Küsten zu den typischen Lebensräumen. "Die Dünenlebensräume sind integrative Bestandteile des Ökosystems Wattenmeer, das in den Niederlanden, Deutschland und Dänemark grenzübergreifend geschützt ist", erklärte Elsa Nickel vom Bundesumweltministerium in ihrer Eröffnungsrede. "Die Nominierung des Wattenmeeres als Weltnaturerbe unterstreicht die internationale Bedeutung und würdigt die Leistungen zum Schutz und Erhaltung der Dünenlebensräume" betonte Frau Nickel.
Im Mittelpunkt der Konferenz standen aktuelle Fragen zu Schutz und Erhaltung der Dünenlebensräume. Es wurde diskutiert, wie den aktuellen Herausforderungen durch Klimaänderung, eingeschleppte Tier- und Pflanzenarten, durch Nährstoffeinträge (Eutrophierung) sowie den verstärkten Anforderungen des Küstenschutzes begegnet werden kann.
"Die Einzigartigkeit der Düneninseln mit ihren Stränden und Wattflächen ist von weltweiter Bedeutung – ihr Erhalt hat hohe Priorität", betonte Jens Enemark, Leiter des Gemeinsamen Wattenmeersekretariats in Wilhelmshaven. Dünen sind Lebensraum für viele schützenswerte Pflanzen und Tiere. Eine natürliche Dynamik der Dünen ist eine wichtige Bedingung für ihre Existenz. Zum Schutz des Lebensraumes ist es erforderlich, die ökologischen Ansprüche der Dünen mit anderen Anforderungen auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Aus Sicht des Naturschutzes sind gerade die feuchten Dünentäler von besonderem Interesse. Sie beherbergen eine Vielzahl gefährdeter Tier- und Pflanzenarten, die in den letzten Jahrzehnten aufgrund von Lebensraumverlust, Festlegung der Dünen oder auch Grundwasserabsenkung sehr selten geworden sind. Daher haben auf einigen niederländischen Wattenmeerinseln die Wasserversorgungsunternehmen die Grundwasserentnahme zum Schutz der Dünentäler eingestellt und erhalten nun Trinkwasser vom Festland. Auf Schiermonnikoog und Vlieland, aber auch auf Norderney und Langeoog wurde hingegen über technische Lösungen ein negativer Einfluss der Trinkwassergewinnung auf die Dünen minimiert.
Die Konferenz unterstrich die Fortschritte, die in den letzten Jahren bei Schutz und Erhaltung der Dünen erreicht wurden. Man vereinbarte, den Schutz der Dünenlebensräume in Zukunft mit Priorität zu verfolgen, denn die Dünenlebensräume sind wichtiger Bestandteil des europäischen Naturschutz-Netzes Natura 2000. Die Grundwasserversorgung auf den Inseln und die notwendigen Maßnahmen zum Inselschutz sollten so durchgeführt werden, dass die gefährdeten Arten der Dünentäler nicht beeinträchtigt werden. Eine natürliche Dünenentwicklung in freier Dynamik ist eine ideale Voraussetzung, die Naturwerte europäischer Dünen dauerhaft zu erhalten und zu schützen. Von einem Expertenteam in den Niederlanden wurden in den letzten Jahren neue Ideen zur Erhöhung der Dynamik der Dünen entwickelt.
Peter Südbeck, Leiter der Nationalparkverwaltung, zog eine positive Bilanz der Konferenz: "Die Umsetzung der europäischen Naturschutzrichtlinien im Wattenmeer erfordert ein abgestimmtes Vorgehen mit den Nachbarstaaten. Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer hat den größten Dünenanteil im Schutzgebiet und wird die grenzüberschreitende Zusammenarbeit weiterhin unterstützen. Die hier erarbeiteten Schutzerfordernisse stehen in hohem Maße im Einklang mit den Zielsetzungen von Nationalparken."